Edelweiß trotz besten Planungen - In Augschburg is da heli los!

 Viel zu lange ohne Übung, traf sich die Sanitätseinheit des Jugendrotkreuzes am 13. November 2010 völlig ahnungslos zu einer SEG-Schulung,bis das Telefon klingelte. Die Übungsleitstelle alarmierte uns mit den Worten: „Einsatz für den RK 2-11-1, Grillunfall an der Wertach, Flusskilometer 8,8, mehrere Personen betroffen,…“

Mit Blaulicht und Horn waren wir nach ca. 10 Minuten mit unserem Einsatzfahrzeug und dem SEG-Anhänger an der Unfallstelle angekommen. Die Verletzten befanden sich an einem für uns unzugänglichen Gelände und waren von der Wertach eingeschlossen, weshalb die ebenfalls ahnungslose, an der Übung teilnehmende Wasserwacht Augsburg-West nachalarmiert wurde. Auch die Fernmeldegruppe des Kreisverbandes Augsburg-Stadt unterstützte uns am Einsatzort.

 Die nun eintreffenden Wasserretter zögerten nicht lange und retteten den ersten Verletzten, der in den reißenden Fluten abzutreiben drohte. Gleichzeitig informierte sich der Gruppenführer der Wasserwacht über die Lage der anderen Verletzten und sprach sich mit den anderen Gruppenführern über das weitere Vorgehen ab.

Während sich die Wasserwacht mit Schwimmbrett zu den übrigen Verletzten vorkämpfte, wurde das Zeltpersonal von der Übungsleitstelle aufgefordert, das Zelt zusätzlich zu sichern. Es sollte ja schließlich nicht abheben, wenn der Helikopter landet????????? Mit dieser Information war selbst die Übungsleitstelle kurzzeitig überfordert, da sich niemand getraut hätte, von solch einem Einsatz nur zu träumen. Die Besatzung des Polizeihubschraubers erfuhr über Umwege von der stattfindenden Übung und wollte sich diese zunächst nur ansehen, da sie zu diesem Zeitpunkt in der Nähe waren. Von dieser Planungsänderung bekamen die im Einsatz eingebundenen Wasserretter noch nichts mit, da sie mit der Bergung der Verletzten alle Hände voll zu tun hatte. Diese stellte sich aufgrund der starken Strömung der Wertach schwieriger als gedacht heraus. Wegen der langen Dauer wurden die Patienten bei uns im Zelt nur kurz behandelt und sofort abtransportiert.

Langsam kam auch etwas Licht ins Dunkel, denn durch das Befragen der ersten Patienten klärte sich der Hergang des Unfalls: Auf der gegenüberliegenden Flussseite feierte eine Gruppe von sechs Personen. Der Gasgrill explodierte und die Feiernden wurden folgendermaßen verletzt: 

Patient 1: Schock, leichte Schürfwunden

Patient 2: Verbrennungen 1.-2. Grades im Gesicht-/ Halsbereich

Patient 3: Offene Beinfraktur, Abschürfungen am Ellenbogen

Patient 4: geschlossene Unterarmfraktur, Verbrennungen 1.-2. Grades

Patient 5: Bewusstlos, Schädelbasisbruch

Patient 6: „Ex“

 

Die Bergung stellte sich als körperlich sehr anspruchsvoll heraus und brachte einige Wasserretter an ihre Grenzen.

 

 

Mittlerweile hatte sich das Szenario bereits im Augsburger Stadtteil Göggingen herum gesprochen und das Geschehen und unser Handeln wurde von den kritischen Augen unzähliger Passanten begutachtet. Der mit Spannung erwartete Augenblick kam: Der Polizeihubschreiber Edelweiß 4 tauchte hinter den Bäumen auf und beteiligte sich sofort am Einsatzgeschehen. Er suchte den Flussverlauf nach weiteren Verletzten ab. Eine Person wurde gesichtet, daraufhin landete der Helikopter auf einer Kiesbank und nahm einen Wasserretter zur Bergung der Person auf. Der Wasserretter wusste zunächst nicht wie im geschah, schließlich steigt man nicht jeden Tag in einen Helikopter mit dem Hintergedanken kurz darauf genau diesen durch einen Sprung wieder zu verlassen. Er stürzte sich todesmutig aus ca. fünf Metern Höhe in die Fluten und erreichte das Opfer. Hier stellte sich leider heraus, dass unser letzter Verletzte nicht mehr lebte. 

Nach Übungsende durften alle den Hubschrauber der Polizei besichtigen und erfuhren von der Besatzung viele interessante Details. Nun musste leider noch abgebaut werden, dies ging trotz der Erschöpfung schnell von der Hand.

Zur Abschlussbesprechung  und zum gemeinsamen Grillen trafen sich alle beteiligten Einsatzkräfte im Familienbad,  dem Standort der Wasserwacht Augsburg-West. Trotz einigen Kritikpunkten gab es großes Lob an alle und es wurde einstimmig beschlossen, von nun an wieder öfter solche Übungen durchzuführen.

Vielen Dank an die Planer der Übung, es hat uns richtig Spaß gemacht und Ihr habt uns einiges geboten!

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